Anhänger Vergleich - AUTO BILD 8/2003 - 03.03.2003

Der feine Unterschied    Fahrtest

Tempo 70, Fahrtest im Grenzbereich: Hektische Ausweichmanöver führen gerade bei leichten Anhängern zum Abheben der Räder.
Über die Hälfte aller verkauften Anhänger sind Billigware aus dem Baumarkt. Sind sie wirklich schlechter als teure Markenprodukte?

Schwere Hänger haben mehr Reserven

Drei Grad, Sonnenschein, trockene Fahrbahn – ideale Test-Bedingungen auf der AUTO BILD-Messstrecke. Alles wie gewohnt, nur die Testkandidaten nicht. Wo sonst die neuesten Modelle der Automobilbranche zeigen müssen, welche Leistungen in ihnen stecken, wedeln diesmal Anhänger um die Pylonen. Wir wollten wissen: Können billige Hänger aus dem Baumarkt mit teuren Markenprodukten mithalten?

Die Theorie spricht für die Sonderangebote. Denn die meisten Hänger-Hersteller leisten sich keine komplizierten Fahrwerke. Simple Starrachs-Konstruktionen, die von Elastomeren, also Gummiblöcken, auf Kurs gehalten werden, sind Standard. Der Praxistest belehrte uns eines Besseren: Im Tanz um die Pylonen stiegen die drei Anhänger der 500-Euro-Klasse auf, ließen sich aber wieder auf Kurs bringen. Teurere Hänger mit ähnlicher Achskonstruktion spurten besser.

Des Rätsels Lösung liegt im Gewicht. Leicht gebaute, unbeladene Anhänger – wie Stema BL 700, Brenderup 1205 S und Böckmann SU 7521 – springen eher, können sich in Gefahrensituationen, zum Beispiel beim plötzlichen Ausweichen, aufbäumen. Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Das kann auch mit schweren Anhängern passieren – nur liegen hier die Reserven höher.

Alte Weisheit: Qualität kostet etwas mehr

Anhänger Verschlüsse im Vergleich
Verschluss – links kräftig und robust ausgelegt, gesichert gegen ungewolltes Öffnen. Rechts ungesichert, Klemmgefahr, Hebel scheuert über das Blech, Rostgefahr.

Wer mehr Sicherheit will, muss tief in die Tasche greifen: Der aufwendig gefederte und gebremste Westfalia kostet stolze 5000 Euro. Hohes Gewicht und große Reifen bedeuten Sicherheit

Reifen Unterschiede

Reifen – links breite Bereifung (185/70 R13) mit großzügigem Tragfähigkeitsindex. Rechts dünne 155/70 R13 mit einer Tragfähigkeit gerade über dem zulässigen Gesamtgewicht.

Beim Anhänger gilt noch die alte Regel: Qualität kostet. Das zeigt sich vor allem bei Verarbeitung und Materialwahl. Der Stema stellt das Schlusslicht dar. Seine wesentlichen Minuspunkte sind: dünne Bleche für Seitenwände, Klappe und Verbindungswinkel. Dieser Anhänger verwindet sich schnell. Unser Testkandidat stand bei Testende reichlich verbeult da. Keine gute Referenz für ein langes Leben hinterm Zugwagen. Etwas stabiler: der SU 7521 von Böckmann.

Heckklappenscharniere im Unterschied

Klappenscharnier – links solide, mit langer Lasche und fest mit Rahmen und Klappe verschweißt. Rechts winzig klein, dünne Schrauben, dürftige Achse – wie lange das wohl hält?


Qualitätsunterschiede bei den Ecken

Eckverbindungen – links durchgeschweißte Profile, geben guten Halt. Rechts angenietete Blechwinkel bieten wenig Widerstand und verbiegen leicht.


Bodenprofile

Bodenplatte – links auf stabilen Profilen, mit verschraubten und verschweißten Winkeln. Rechts dünne Nieten auf dünnem Winkelblech.

Zurrhaken

Verzurrhaken – links außen liegend, kräftig dimensioniert, rechts innen liegend, schwach ausgelegt.

Wer aber in der unteren Preisklasse mehr als ein Minimum an Qualität verlangt, sollte den Brenderup 1205 S wählen. Für die Fahrt zum Baumarkt oder den Abtransport von Gartenkompost reicht dieses Modell allemal und kostet nur 51 Euro mehr als der Stema. Für Profiware kassiert der Händler noch mal mindestens 370 Euro mehr. Der solide, doppelwandige Westfalia Primus taugt aber genau wie U2 von Koch und H2 von Saris für strapaziösen gewerblichen Betrieb. Gute Pflege vorausgesetzt, hält dieses Trio ewig.

Alle, die mehr als 750 Kilo transportieren wollen, müssen zu teureren gebremsten Hängern greifen, die bis zu einem Gesamtgewicht von 3500 Kilo reichen. Hier stimmt die Qualität. Alle vier von uns getesteten gebremsten Anhänger sind robust genug für den täglichen Einsatz. Der Brenderup 2260 S fällt etwas gegen die sehr solide gearbeiteten Anhänger von Koch, Böckmann und Westfalia ab. Dafür kostet er aber auch deutlich weniger.


Pflege-Tipps, Kauf-Tipps, Fahr-Tipps

Pflege-Tipps Für Anhänger wie für Ehen gilt: Werden sie gepflegt, halten sie ein Leben. Also: im Winter Anhänger regelmäßig waschen. Zusätzlich Blech mit Wachs schützen. Scharniere, Kupplungskopf und Verschlüsse schmieren. Stecker mit Kontaktspray vor Nässe und Gammel schützen. Schmiernippel an gebremsten Zugeinrichtungen nach Herstellerangaben abschmieren.

Kauftipps Qualität hat ihren Preis. Das gilt auch für gebrauchte Anhänger. Wichtig ist der Zustand von Aufbau und Bodenplatte. Vorsicht auch bei den Reifen. Die sind häufig uralt. Für Tempo-100 km/h-Gespanne sollten sie nicht älter als sechs Jahre sein. Funktioniert die Beleuchtung? Bei gebremsten Anhängern immer auch eine Funktionsprüfung der Auflaufbremse durchführen.

Fahr-Tipps Wichtig für die Fahreigenschaften ist die richtige Beladung. Das zulässige Gesamtgewicht aus den Papieren einhalten. Gewicht gleichmäßig über die Achse des Anhängers verteilen. Stützlast des Anhängers und des Zugfahrzeugs einhalten. Nicht schneller als die erlaubten 80 km/h bzw. 100 km/h. Gerät ein Anhänger ins Schleudern, Geschwindigkeit langsam reduzieren.